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13.01.2012 07:00

Auf Lecksuche

Gaskameras. Gasaustritte an Biogasanlagen sind keine Seltenheit. Die visuelle Darstellung mit der Gaskamera im Rahmen eines systematischen Gas-Checks bietet Sicherheit.


Bernd Esders untersucht eine Biogasanlage mit der Langsonde.

Sebastian Kohne im Gaskamera-Einsatz bei Landwirt Berthold Suhr in Geeste.

Es hat uns überrascht, wie einfach man auch kleine Gaslecks finden kann.“Mit dieser Aussage bestätigt Christian Cohrs aus Volkwardingen bei Bispingenin der Lüneburger Heide die Aussage von vielen seiner Berufskollegen, die nach einer gezielten Gaslecksuche zufrieden mit deren Ergebnis sind. „Bei uns war es so, dass wir einfach eine generelle Qualitätskontrolle durchführen wollten, optisch hatten wir vorher nichts gesehen“,berichtet der Biogasanlagenbetreiber. Nach einer systematischen Suche mit der Gas-Kamera fand sich prompt ein kleines Leck, das schnell geschlossen werden konnte. „Methan ist wesentlich klimarelevanter als CO2, somit war es für uns beruhigend zu wissen, dass wieder alles dicht war“, erklärt Cohrs.

 „Das schnelle Auffinden von undichten Stellen spart Zeit und Geld“, ist sich Sebastian Kohne von der niedersächsischen Firma Esders sicher, „dabei stellt die großflächige Inspektion auch kurzzeitige und nur sporadisch auftretende Gasaustritte sicher dar.“ Selbst auf nicht im direkten Blickfeld liegende Leckagen werde man aufmerksam, wenn deren Gaswolken durch das Bild treiben, so der Entwicklungsingenieur. Diese Erfahrung machten auch Berthold und Maria Suhr, auf deren Biogasanlage Kohne eine Gaslecksuche durchführte. „Es gibt einem schon ein Gefühl der Sicherheit, wenn man systematisch auf Fehlersuche war, man sollte die Gasgefahr nicht unterschätzen“,erklärt Berthold Suhr. 

Der Vorsorgegedanke sei aber leider noch nicht so sehr in derPraxis verbreitet, wie es nötig wäre, erklärt Hagen Marx vom Ingenieurbüro Marx aus Andernachim nördlichen Rheinland-Pfalz: „Oft kommen die Betreiber von Biogasanlagen erst auf mich zu, wenn sie entweder selber Gasgeruch feststellen und deswegen vielleicht sogar schon Probleme mit den Nachbarn haben; weil sie deutliche Ertragsausfälle registrieren oder auch Meinungsverschiedenheiten mit dem Anlagenhersteller über die Leistungsfähigkeit der Anlage haben.“ 

Gleichwohl gebe es natürlich auch Anlagenbetreiber, die ihre Neuanlagen abnehmen lassen oder im Rahmen einer Inspektion einfach auf Nummer sicher gehen wollten. Marx stellt außerdem fest, dass dass behördliche oder versicherungsseitige Forderungen bisher (noch) nicht oft vorkämen. Dies betreffe sowohl die Gasdichtigkeitsprüfung als auch die Elektrothermografie, die bei Landwirten bisher kaum bekannt sei. „Wenn die Messungen dann gemacht sind und wir auch eklatante Mängel festgestellt haben, denken viele Betreiber darüber nach, diese Messungen ähnlich der Jahresinspektion beim Auto in einem festen Rhythmus durchführen zu lassen. Nicht zuletzt deswegen, weil es ein gutes Gefühl ist, eine verlust- und risikoarme Anlage sein eigen zu nennen.“ 

Die Gasleckageortung rechnet sich bereits, wenn auch nur eine kleinere Gasleckage festgestellt wird. 5 l Gasverlust pro Minute sind z. B. über 2.600 m3 Biogas pro Jahr. Außerdem können Ansammlungen von Biogas explosive Mischungen mit Luft eingehen,und zwar auch an Stellen,an denen man sie nicht erwartet. Leckagen führen also mitunter zu einer erheblichen Gefährdung der Anlage und des Lebens bzw. der Gesundheit der Mitarbeiter. Hagen Marx geht sogar soweit zusagen, dass die gasdichte Biogas-Anlage eher die Ausnahme als die Regel ist. Neben dem wirtschaftlichen und dem Sicherheitsaspekt sind es genauso aber auch bauliche Gründe, die eine Inspektion angezeigt sein lassen. Dass Biogas sehr aggressiv zu Beton und Metallen ist, ist vielen Anlagenbetreibern nur latent bewusst. Es kann sowohl im Innen- als auch im Außenbereich zu starken Korrosionsschäden führen. Und nicht zuletzt ist die eigene Gesundheit und die der Mitmenschen ein Grund, nach Lecks zu suchen. Biogas sollte selbst verdünnt nicht ständig eingeatmet werden. Auch volkswirtschaftlich ist der Methanschlupf nicht zu unterschlagen: Er konterkariert den klimapolitischen Aspekt der Biogaserzeugung, da Methan ein um ca. 26-30 mal stärkeres Treibhausgas ist als CO2. Nur wenige Prozent Verlust heben den CO2-Spareffekt der Prozesskette Biogasproduktion auf. Worauf die Sicherheitsexperten ebenfalls hinweisen, ist der Brandschutz: Schaltanlagen auf Biogasanlagen sind erheblich gefährdeter gegenüber Bränden durch Überhitzungen als solche in normaler Umgebung, da es zu einer verstärkten Kupferkorrosion durch Schwefelwasserstoff in Verbindung mit einer ständig hohen Belastung kommen kann. Das führt dann unter Umständen zu langwierigen BHKW-Ausfällen oder sogar Bränden. „Die turnusmäßige Gaslecksuche genauso wie die Elektrothermografie sind deswegen meines Erachtensnach ein Muss, sie werden auch von den Versicherungen zunehmend gefordert werden“, erklärt der Monitoring-Experte Marx. 

Gaslecks kommen oft bei der Folienabdeckung vor. Dort führen Risse und brüchige Stellen nacheiniger Zeit zu Gasaustritten. Genauso aber kann die Einbringtechnik wie die Substratschnecke „leck sein“, und auch das Rührwerk ist eine bekannte Austrittspforte. Doch nicht nur für die Betreiber selber, auch für Biogasanlagenhersteller ist die Gaslecksuche ein probates Mittel, ihren hohen Qualitätsstandard zu dokumentieren, indem sie die Anlage vor der Übergabe auf Dichtheit überprüfen. Behörden können im Rahmen des Genehmigungsverfahrens eine Überprüfung nach dem Bundesimmissionsschutzgesetz durchführen. Bei ca. 80 % der überprüften Biogasanlagen werden nennenswerte Leckagen gefunden, Gründe für einen Kameraeinsatz gibt es also genug.

 

(Quelle: Artikel aus der joule 01/2012, www.joule-online.de)

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