Entgasen und Begasen im Rahmen der EU-Methanverordnung
Bei Neubau-, Wartungs- und Instandsetzungsmaßnahmen an der Versorgungsinfrastruktur müssen Gas-Hausanschlüsse oder Netzanschlussleitungen regelmäßig entgast und wieder begast werden. Angesichts strengerer Umweltauflagen hat sich die Vorgehensweise hierbei in Deutschland und der EU aktuell drastisch geändert. Dieser Praxisbericht zeigt, wie der normkonforme Prozess mit der Mobilen Gasfackel S von Esders sicher und effizient gelingt.
Bis heute wurde das überschüssige Gas bei Arbeiten an Netzanschlussleitungen oft über Schläuche oder Ausbläser ungenutzt in die Atmosphäre abgelassen. Vor dem Hintergrund der EU-Methanverordnung wird diese Praxis zukünftig untersagt, um klimaschädliche Methanemissionen auf ein absolutes Minimum zu reduzieren.
Die Lösung ist die kontrollierte Verbrennung. Dabei wird Methan in deutlich weniger klimaschädliches CO2 und Wasser umgesetzt. Die kompakte Mobile Gasfackel S wurde für eben diesen Zweck entwickelt. Sie lässt sich in kürzester Zeit ohne Spezialwerkzeug aufbauen und erfüllt vollumfänglich die Anforderungen des DVGW Merkblatts G 404 (M).
Entgasung und Begasung von Hausanschlüssen Schritt für Schritt
Um Netzbetreibern, Rohrleitungsbauern und Dienstleistern einen sicheren Ablauf zu gewährleisten, haben wir den Prozess der Ent- und Begasung in einer klaren Anleitung zusammengefasst.
Phase 1: Die sichere Entgasung der Netzanschlussleitungen
Bevor Arbeiten an einer in Betrieb befindlichen NAL stattfinden können, muss diese gasfrei gemacht werden.
Vorbereitung und Aufbau der Messtechnik
Absperren der Leitung: Schließen Sie die nächstgelegenen Schieber in der Verteil- bzw. Versorgungsleitung (VL). Legen Sie bei Bedarf vorab eine Bypass-Leitung, um benachbarte Hausanschlüsse nicht von der Gasversorgung zu trennen.
Zugang herstellen: Demontieren Sie den Gaszähler im Gebäude.
Adapter montieren: Setzen Sie passende Adapter am Gaszählerformstück ein. Beim Einrohrzähler wird die Prüfkappe mit eingelegter Zählerdichtung montiert, um unbeabsichtigten Gasfluss in die Inneninstallation zu verhindern (auch bei Zweirohrzählern möglich).
Y-Adapter anschließen: Verbinden Sie einen Y-Adapter mit der äußeren Kupplung.
Geräte koppeln: Schließen Sie im Haus das Gasmessgerät zur Konzentrationsmessung an. Außerhalb des Hauses wird über Verbindungsschläuche die Mobile Gasfackel S angeschlossen.
Durchführung der Entgasung
Armaturen öffnen: Öffnen Sie die geschlossenen Armaturen im Haus (z. B. Zählerhahn und/oder Hauptabsperreinrichtung).
Abfackeln: Das überschüssige Gas strömt zur Fackel und wird dort kontrolliert und sicher verbrannt.
Drucklosigkeit herstellen: Warten Sie, bis die Leitung drucklos ist. Verbleibendes Restgas wird abschließend mit Luft herausgespült.
Phase 2: Begasung und Spülprozess der Netzanschlussleitung
Nach Abschluss der Wartungsarbeiten oder nach erfolgreicher Leitungsprüfung (gemäß DVGW G 459-1) muss die Leitung wieder begast werden.
Aufbau beibehalten: Nutzen Sie denselben Messaufbau (Fackel außen, Messgerät am Y-Adapter innen) wie bei der Entgasung.
Direkte Messung der Gasreinheit: Der große Vorteil dieses Aufbaus ist, dass die Gasreinheit beim Spülprozess nahezu direkt am Ende der Leitung im Haus gemessen wird – und nicht erst am Ende des Schlauches draußen an der Fackel.
Spülvorgang beenden: Sobald das Gasmessgerät im Haus die geforderte Gasreinheit anzeigt, kann der Vorgang sofort gestoppt werden.
Erhebliches Emissionsvermeidungspotential
Dadurch, dass die Gasreinheit beim Begasen deutlich früher festgestellt wird, verkürzt sich der Spülvorgang. Das Leitungsvolumen im Schlauch zur Fackel muss nicht erst ausgetauscht werden. Auch wenn das Einsparpotenzial an einem einzelnen Hausanschluss gering erscheint, summiert sich die Vermeidung von Methanemissionen in der Jahresbilanz eines Versorgungsunternehmens beträchtlich.
Ressourcenschonender Ein-Personen-Betrieb
In Zeiten des Fachkräftemangels im Gasfach zahlt sich die Anlage doppelt aus. Sofern lokale Vorschriften es zulassen, kann der gesamte Vorgang von einer einzigen Person gesteuert werden. Ein zweiter Mitarbeiter, der bisher am Ausbläser messen und Kommandos in das Haus rufen musste, entfällt.
Höchste Arbeitssicherheit
Da die Gaskonzentration sicher im Haus gemessen wird, während die Verbrennung draußen stattfindet, hält sich der Anwender in ausreichendem Abstand zur Gasfackel auf. Risiken durch Verbrennungen oder Lärmschäden werden so effektiv minimiert.
Dokumentation und Ausblick: Erfassung der abgefackelten Mengen
Im Zuge der EU-Methanverordnung ist es nun verpflichtend, die abgefackelten Methanmengen an die zuständigen Behörden zu melden.
Um diesen Dokumentationspflichten nachzukommen, lassen sich das Gasvolumen sowie die Strömungsgeschwindigkeit während des Spülprozesses präzise erfassen. Hierfür wird lediglich ein T-Stück-Adapter am Verbindungsschlauch installiert, an den entsprechende Esders-Messgeräte angeschlossen werden können.