Die europäische Norm EN 805, welche die Anforderungen an Wasserversorgungssysteme und deren Bauteile regelt, hat ein umfassendes Update erhalten. Dies bringt auch für die Durchführung von Druckprüfungen an Wasserleitungen einige wichtige Neuerungen und veränderte Vorgaben mit sich.
Wir fassen Ihnen im Folgenden zusammen, was sich bei der Druckprüfung nach der neuen EN 805 ändert, wie sich das Regelwerk im Vergleich zum deutschen Arbeitsblatt DVGW W 400-2 verhält und wie wir die neuen Anforderungen in unserer Messtechnik smart memo umsetzen.
Die wichtigsten Neuerungen in der EN 805
Die Aktualisierung der Norm bringt vor allem detaillierte Vorgaben für den Prüfablauf, die Berechnungsgrundlagen und den Umgang mit äußeren Einflüssen mit sich. Keine konkreten Änderungen gibt es hingegen bei der Hardware: Die Norm definiert weiterhin keine spezifischen Anforderungen (wie etwa Mindestauflösung oder Messgenauigkeit) an die eingesetzte Messtechnik.
Das sind die wichtigsten inhaltlichen Änderungen zur EN 805 im Überblick
Stärkerer Fokus auf Temperatureinflüsse
Ein wesentlicher Schwerpunkt der überarbeiteten EN 805 liegt auf den Umgebungsbedingungen während der Prüfung. An diversen Stellen im Regelwerk wurden neue Abschnitte zu Temperatureinflüssen integriert. So wird nun explizit gefordert, dass Frostbedingungen bei Nacht oder übermäßige Erwärmung bei Tag beachtet werden sollen. Die Einflüsse von Temperaturschwankungen auf unbedeckte Rohre und Verbindungen sind möglichst gering zu halten. Um den Druck im Prüfabschnitt nicht zu verfälschen, soll sichergestellt werden, dass die Anfangs- und Endtemperatur der Rohrwand bei jedem Schritt (vor allem bei der Hauptprüfung) ungefähr gleich sind. Dies stellt in der Praxis eine indirekte Forderung nach einer Temperaturmessung, beispielsweise über einen Anlegefühler oder Erdspieß, dar.
Kontraktionsverfahren: Temperaturkompensierter Prüfdruck bei über 20 °C
Neu ist der direkte Umgang mit hohen Temperaturen im Kontraktionsverfahren: Sind Temperaturen über 20 °C unvermeidbar, muss nach Tabelle A.4 ein Anpassungsfaktor angewendet werden. Über diesen Faktor wird der Prüfdruck bei warmen Bedingungen entsprechend reduziert (temperaturkompensierter Prüfdruck STP).
Grenzwerte im Kontraktionsverfahren (KV) und bei der Druckabfallprüfung
Für den Ablauf der Prüfung wurden neue, konkrete Grenzwerte und Parameter definiert:
- Prüfdruck & Ruhephase: Es wurde ein Mindestprüfdruck von 0,7 x PFA (PFA: zulässiger Bauteilbetriebsdruck) eingeführt. Zudem gibt es nun einen zusätzlichen, definierten Grenzwert für die Ruhephase, in der der Druckabfall zwischen 10 % und 20 % liegen muss (10 % ≤ Δp ≤ 20 %).
- Druckabfallprüfung: Der Faktor f zur Berechnung der zulässigen Wassermenge wurde von ehemals 1,2 auf nun 1,05 angepasst. Darüber hinaus wurden neue Zielwerte für den Druckabfall (Δp) bei der Druckabfallprüfung festgelegt (z. B. Δp = 3,2 bar bei einer PE 100 SDR 11 Leitung).
- Materialkennwerte: In der Tabelle A.6 wurden die angenommenen E-Modul-Werte für Rohrmaterialien angepasst. Für PE 80 wird nun ein Wert von 850 N/mm² und für PE 100 ein Wert von 1100 N/mm² zugrunde gelegt.
Der Vergleich: EN 805 vs. deutsches Arbeitsblatt DVGW W 400-2
Wer in Deutschland Druckprüfungen durchführt, arbeitet in der Regel nach dem DVGW-Arbeitsblatt W 400-2, welches bereits 2022 grundlegend aktualisiert wurde. Bei der Überarbeitung der EN 805 haben sich die Editoren stark an diesen deutschen Anpassungen orientiert. So stammen beispielsweise der neue Faktor f = 1,05, der Mindestprüfdruck von 0,7 x PFA, die Grenzwerte der Ruhephase und die Forderung nach einem Temperatursensor ursprünglich aus der aktuellen W 400-2 und wurden nun in die europäische Norm übernommen.
Die wichtigsten Unterschiede der EN 805 und der DVGW W 400-2
Zulässige Prüfverfahren
Während die W 400-2 das Prüfen von PVC-Leitungen im Kontraktionsverfahren mittlerweile untersagt (nur noch Normalverfahren), ist dies in der EN 805 weiterhin erlaubt. Auch das Wasserverlustverfahren ist in der europäischen Norm weiterhin enthalten und anerkannt, im deutschen Regelwerk hingegen nicht.
Wiederholung der Hauptprüfung
Bei Prüfungen von PE-Leitungen im Normalverfahren räumt die W 400-2 mittlerweile die Möglichkeit ein, eine gescheiterte Hauptprüfung zu wiederholen. Die EN 805 lässt dies weiterhin nicht zu.
Strenge bei der Hauptprüfung (KV)
Die W 400-2 toleriert während der Hauptprüfung im Kontraktionsverfahren mittlerweile einen zulässigen Druckabfall von 30 mbar. Die EN 805 bleibt hier strenger: Der Prüfabschnitt gilt nur als dicht, „wenn der Druckverlauf während der Kontraktionszeit eine steigende bis konstante Tendenz aufweist.“
Unterschiedliche Materialwerte
Bei den E-Modul-Werten gibt es Unstimmigkeiten. Während die EN 805 (wie oben erwähnt) 850 N/mm² für PE 80 und 1100 N/mm² für PE 100 annimmt, rechnet die W 400-2 mit 800 N/mm² (PE 80) bzw. 1200 N/mm² (PE 100).
Temperaturkompensation
Die Vorgabe der EN 805, den Prüfdruck bei über 20 °C anhand eines Faktors anzupassen (STP-Reduzierung), gibt es in der W 400-2 in dieser Form nicht. Im Arbeitsblatt W 400-2 soll eine Druckprüfung bei Temperaturen > 20°C schlicht nicht durchgeführt werden (ohne Hinweis wie dies im Hochsommer praktisch möglich sein kann).
Was bedeuten diese Neuerungen für das smart memo?
Damit Sie bei Ihren Prüfungen weiterhin unkompliziert, sicher und normkonform vorgehen können, haben wir die relevanten Anpassungen der EN 805 in einen aktualisierten Prüfablauf für unsere Messtechnik smart memo überführt.
- Temperaturmessung: Die indirekte Forderung der EN 805 nach einem Temperatursensor haben wir im Menü des smart memo vorerst als optionale Möglichkeit hinterlegt. Sie können einen Temperatursensor verwenden, müssen dies aber nicht.
- Temperaturkompensierter Prüfdruck: Die von der Norm geforderte Reduzierung des Prüfdrucks bei Temperaturen über 20 °C berechnet das Gerät automatisch (bei Verwendung eines externen Temperatursensors EDS2-T. Im smart memo führen wir diese Reduzierung exakt nach dem Ende der Entspannungsphase, also direkt vor dem Druckaufbau, durch.
- Alle weiteren Anpassungen zu Details im Verfahren werden nach einem Update automatisch angewendet
Das dazugehörige Software-Update stellen wir Ihnen wie gewohnt kostenlos zur Verfügung. Sie können das Update ganz einfach und unkompliziert mit Hilfe der Esders Connect App auf Ihr smart memo aufspielen. Nach der Installation stehen Ihnen die angepassten Menüpunkte für Prüfungen nach EN 805 direkt zur Verfügung.
Die wichtigsten Neuerungen auf einen Blick?
Eine übersichtliche Zusammenfassung der Änderungen der EN 805 steht hier für Sie zum Download bereit. Füllen Sie einfach das Formular aus und laden Sie sich die Übersicht der Neuerungen als PDF-Dokument herunter.
Gut zu wissen: Die wichtigsten FAQs zur EN 805 zusammengefasst
Was sind die wichtigsten Änderungen bei der Druckprüfung von Wasserleitungen nach der neuen EN 805?
Die Aktualisierung der EN 805 legt einen deutlich stärkeren Fokus auf Temperatureinflüsse während der Messung. Neu ist unter anderem ein temperaturkompensierter Prüfdruck bei Umgebungstemperaturen über 20 °C im Kontraktionsverfahren. Zudem wurden konkrete Grenzwerte angepasst: Der Mindestprüfdruck liegt nun bei 0,7 x PFA, und bei der Druckabfallprüfung wurde der Berechnungsfaktor f auf 1,05 geändert.
Wie unterscheidet sich die europäische Norm EN 805 vom deutschen Arbeitsblatt DVGW W 400-2?
Obwohl sich die neue EN 805 stark am Arbeitsblatt DVGW W 400-2 orientiert, gibt es in der Praxis maßgebliche Unterschiede bei der Dichtheitsprüfung. So erlaubt die EN 805 weiterhin das Prüfen von PVC-Leitungen im Kontraktionsverfahren sowie das Wasserverlustverfahren. Außerdem ist die europäische Norm strenger in der Hauptprüfung: Sie toleriert im Gegensatz zur W 400-2 keinen Druckabfall von 30 mbar und gestattet keine Wiederholung einer gescheiterten Hauptprüfung bei PE-Leitungen.
Wie wird der Prüfdruck nach EN 805 bei Temperaturen über 20 °C geregelt?
Wenn Temperaturen von über 20 °C bei der Druckprüfung unvermeidbar sind, muss im Kontraktionsverfahren nun ein Anpassungsfaktor nach Tabelle A.4 angewendet werden. Dieser reduziert den Prüfdruck bei warmen Bedingungen entsprechend (temperaturkompensierter Prüfdruck STP). Das Esders smart memo berechnet diese Reduzierung bei Verwendung eines externen Temperatursensors (EDS2-T) automatisch direkt vor dem Druckaufbau.
Ist für die normkonforme Druckprüfung nach der aktualisierteEN 805 neue Hardware erforderlich?
Nein, die Norm definiert keine neuen oder schärferen Hardware-Anforderungen an die Auflösung oder Genauigkeit der eingesetzten Messtechnik. Da die EN 805 jedoch sicherstellen will, dass Anfangs- und Endtemperatur der Rohrwand ungefähr gleich sind, ergibt sich eine indirekte Forderung nach einer Temperaturmessung.
Wie aktualisiere ich mein Esders smart memo für die neuen Vorgaben der EN 805?
Wir stellen Ihnen das notwendige Software-Update mit den angepassten Prüfabläufen kostenlos zur Verfügung. Das Update können Sie jederzeit schnell und unkompliziert über die Esders Connect App auf Ihr smart memo aufspielen. Nach der Installation sind die neuen Menüpunkte für eine normkonforme Druckprüfung nach EN 805 sofort einsatzbereit.