In unserem ersten Beitrag zum Thema Gebrauchsfähigkeit sind wir auf theoretische Hintergründe eingegangen. In diesem Beitrag wollen wir nun die praktische Durchführung einer solchen Prüfung beschreiben und erläutern worauf dabei zu achten ist. Je nach verwendetem Leckmengenmessgerät (s. verschiedene Klassen im ersten Beitrag) kann die konkrete praktische Durchführung variieren. Wir beschreiben im Folgenden die Verwendung eines Leckmengenmessgerätes der Klasse L mit einem Durchflusssensor zur direkten Messung der Gasleckmenge am Beispiel unseres GasTest delta3.

Prüfmedium

Da die Leckmenge beim GasTest delta3 direkt gemessen und nicht berechnet wird, ist es erforderlich, dass ein ggf. vorhandenes Leck in der Leitungsanlage während der Messung „gespeist“ wird.

 Als Prüfmedium wird in der Regel das Brenngas verwendet, welches in der in Betrieb befindlichen Leitungsanlage vorhanden ist. 

Als Gasspeicher während der Prüfung wird beim GasTest delta3 eine im Deckelfach des Koffers eingebaute Gasblase verwendet.

 Eine Prüfung mit Luft anstatt Brenngas ist grundsätzlich auch möglich, erhöht jedoch den Aufwand vor Ort erheblich, da die zu prüfende Leitungsanlage zunächst gasfrei (zum Begriff „gasfrei“ s. DGUV Regel 100-500, Kap. 2.31) gemacht und nach der Prüfung wieder begast werden muss. Außerdem kann es zu Problemen bei der Wiederinbetriebnahme der Gasgeräte kommen. Sauerstoff ist ebenso wie eine Vermischung von Brenngas und Luft als Prüfmedium unzulässig.

Geeignete Verbindung mit der Gasinstallation

Vor Beginn der Prüfung ist zunächst ein geeigneter Anschluss an die Gasinstallation zu bestimmen. Hier gibt es verschiedene Möglichkeiten, die vor Ort bzw. im Vorfeld zu prüfen sind. Gegebenenfalls gibt es auf Seiten der ausführenden Fachfirma auch entsprechende Arbeitsanweisungen, die festlegen an welchen Stellen die Verbindung mit der Gasinstallation zu erfolgen hat.

Findet die Gebrauchsfähigkeitsprüfung beispielsweise im Rahmen eines geplanten Zählerwechsels statt, bietet es sich an, den Zähleranschluss als Prüföffnung zu nutzen, da der Zähler ohnehin demontiert werden muss.

Weitere geeignete Verbindungstellen können im/am Gasdruckregler oder an der Gasgerätearmatur vorhandene Messöffnungen sein oder – falls vorhanden – in die Leitungsanlage eingebaute Prüföffnungen. Diese können mit passenden Adaptern und Dichtungen genutzt werden.

Zu weiteren Informationen hinsichtlich Prüf- & Messöffnungen in der Gasinstallation haben wir hier einen kurzen Blogbeitrag.  Wir beschreiben in diesem Beitrag die Prüfung über den Zähleranschluss.

Anschluss des Messgerätes

Ueberstroemdichtung
eingelegte-Ueberstroemdichtung

Bei Anschluss des Messgerätes an einem Einrohrzählerpassstück kann eine sogenannte Überströmdichtung in den Prüfadapter eingelegt werden.

Bei Zweirohrzählern können mit dem entsprechenden Zubehör (Adapter und Y-Schlauch) die Passstücke für Zählereingang und -ausgang gleichzeitig mit dem Messgerät verbunden werden. Dadurch kann in beiden Fällen vom Zähleranschluss rückwärts bis zum Gasdruckregler (GDR) bzw. der Hauptabsperreinrichtung (HAE) und vorwärts bis zur Gastherme eingespeist werden und es können verschiedene Leitungsteile vor und hinter dem Gaszähler (z. B. Steigleitung, Verteilleitung, Verbrauchsleitung) gleichzeitig geprüft werden. Dies minimiert den Prüfaufwand erheblich und spart Zeit.

Grundsätzlich ist eine gasnetzunabhängige Leckmengenmessung zu empfehlen, um den Einfluss möglicher Schwankungen im örtlichen Gasnetz während der Prüfung auszuschließen. Dazu wird die HAE geschlossen, nachdem das Messgerät etwas Gas in die bereits angesprochene Gasblase gefördert hat. Je nach Aufbau und Geometrie der Leitungsanlage kann es dennoch zu kleineren Schwankungen während der Messung kommen. Diese werden oftmals durch den Einfluss des GDR auf die nachgeschaltete Leitungsanlage oder einem unter Netzdruck stehenden Leitungsteil zwischen HAE und GDR verursacht. Abhilfe schafft hier in der Regel ein leicht oberhalb des Betriebsdrucks eingestellter Prüfdruck (z. B. 27 mbar). Auf diese Weise wird der GDR von hinten „verschlossen“ und ein möglicher, unerwünschter Einfluss ausgeschlossen.

Ebenso ist es wichtig, dass alle Verbrauchseinrichtungen im Haus geschlossen sind, um eine Gasabnahme während der Prüfung und damit eine Verfälschung der Messergebnisse zu unterbinden.

Referenzbetriebsdruck

Die genutzten Verbindungsstellen bzw. Prüföffnungen sollten sich hinter der üblicherweise vorhandenen Gasdruckregelung befinden, da die Leckmengenmessung in der Regel bei einem Prüfdruck von 23 mbar bzw. – je nach eingesetztem Messgerät – leicht oberhalb davon durchgeführt wird.

Im letzteren Fall wird die ermittelte Gasleckmenge auf den sogenannten „Referenzbetriebsdruck“ von 23 mbar umgerechnet. Das erfolgt im GasTest delta3 automatisch.

Eine Ausnahme bildet eine Leitungsanlage, die mit erhöhtem Niederdruck von bspw. 40 mbar betrieben wird. Dies ist häufig bei Zählerreglern (Anm. d. Red.: Ein in den Gaszähler integrierter Gasdruckregler) der Fall. Liegt dieser Betriebsdruck oberhalb von 30 mbar ist er auch als Referenzbetriebsdruck anzusetzen (anstatt der üblicherweise verwendeten 23 mbar).

Das GasTest delta3 rechnet die ermittelte Leckmenge auch in diesem Fall automatisch auf den korrekten Referenzbetriebsdruck um.

Gebrauchsfähigkeitsprüfung mit dem GasTest delta3 - Teil 1: Vorbereitung der Leckmengenmessung

Ist die Vorbereitung zur Leckmengenmessung abgeschlossen und das Messgerät mit der Gasinstallation verbunden, kann die Prüfung beginnen. Dazu muss im Fall des GasTest delta3 zunächst entschieden werden nach welchen Vorgaben die Leitungsanlage geprüft werden soll. Es gibt zwei Möglichkeiten:

  • Prüfung und Bewertung nach DVGW Regelwerk mit exakten Vorgaben für die Anpassungs- & Prüfdauer sowie zulässigen Schwankungen des Drucks und der Leckmenge (Menüpunkt „Gebrauchsfähigkeit G5952“)
  • Prüfung und Bewertung nach im Gerät frei einstellbaren Zeiten und Grenzen (Menüpunkt „Gebrauchsfähigkeit Express“)

Im letzten Fall entscheidet die ausführende Fachkraft aufgrund ihrer Kenntnisse und Erfahrungen vor Ort über geeignete Zeiten und bewertet die Stabilität der Messung. Zu Beginn des gewählten Prüfablaufs muss die Fachkraft am Gerät den gewünschten Prüfdruck sowie das Prüfmedium einstellen und anschließend den Ablauf starten. Bei der Prüfung nach DVGW Regelwerk muss zusätzlich das Rohrvolumen der Leitungsanlage in fest definierten Schritten (< 100 l oder < 200 l) eingegeben werden. 

Das Messgerät durchläuft die Prüfung nun weitestgehend selbstständig und informiert die Fachkraft über alle ausgeführten oder auszuführenden Schritte.

Gebrauchsfähigkeitsprüfung mit dem GasTest delta3 - Teil 2: Durchführung der Leckmengenmessung

Je nach Größe der zu prüfenden Leitungsanlage erfolgt eine kurze Stabilisierungsphase bevor die eigentliche Prüfung, bestehend aus Anpassungs- und Messphase, beginnt. Sollten die Messwerte während dieser ersten Stabilisierungsphase stark oder dauerhaft schwanken kann eine vernünftige Prüfung nicht durchgeführt werden. Die Ursachen hierfür können unterschiedlich sein und müssen von der durchführenden Fachkraft vor Ort analysiert werden. Einige Beispiele:

  • Wurde das Gerät korrekt und gemäß den Vorgaben der Betriebsanleitung gestartet (z. B. mit angeschlossener Gasblase)?
  • Ist das eingesetzte Zubehör intakt und dicht (Adapter, Schläuche, etc.)?
  • Sind die Prüfadapter inkl. Dichtungen fest genug angezogen („handwarm“ ist ausreichend)?
  • Ist die HAE verschlossen?
  • Haben sich die Umgebungsbedingungen im Raum bzw. auf die Leitungsanlage während der Prüfung verändert (z. B. Temperatureinfluss durch Sonneneinstrahlung, Zugluft, etc.)?
  • Ist die zu prüfende Anlage ggf. zu groß (Gesamtvolumen sollte 200 l nicht überschreiten)?

Insbesondere im letzten Fall, bei zu großen Leitungsvolumina, ist eine abschnittsweise Prüfung zu empfehlen. 

Die TRGI nennt hier das Beispiel eines Gebäudes mit Etagenversorgung, in dem die einzelnen Wohnungen als separate Prüfabschnitte eingeteilt werden dürfen. Die Unterteilung hilft oftmals eine stabile Prüfung durchzuführen und eine eventuelle Leckage besser eingrenzen zu können. Für jeden Prüfabschnitt gelten die im ersten Blogbeitrag genannten Kriterien zur Bewertung der Gebrauchsfähigkeit dann einzeln.

Dokumentation

Wurde die Prüfung erfolgreich durchgeführt, zeigt das Messgerät am Ende eine Zusammenfassung der Ergebnisse an.

Der Anwender kann nun weitere Informationen, z. B die Beurteilung des äußerlich erkennbaren Zustands der Anlage und die Funktionsfähigkeit der Bauteile im Messgerät eintragen und zusammen mit den Messergebnissen speichern. Dadurch ergibt sich eine vollständige Dokumentation der gesamten Gebrauchsfähigkeitsprüfung, wie sie laut TRGI gefordert wird.

Diese kann mit einem Smartphone oder Tablet und der Esders Connect App aus dem Messgerät ausgelesen und an bis zu drei Email-Adressen gleichzeitig verschickt werden.

Damit ist die Dokumentation der Prüfung quasi in Echtzeit im Büro zur Abrechnung mit dem Auftraggeber oder zur Archivierung und kann auch dem Kunden direkt und digital ausgehändigt werden. Ein Ausdruck der Prüfergebnisse über einen kompatiblen Thermodrucker ist selbstverständlich auch möglich.  

Gebrauchsfähigkeitsprüfung mit dem GasTest delta3 - Teil 3: Dokumentation