Die leitungsgebundene Versorgung mit Erdgas in Deutschland steht aktuell vor einem massiven Umbruch, mit dem große Herausforderungen einhergehen. Der russische Angriffskrieg auf die Ukraine hat das Bestreben, die Gas- und Energieversorgung unabhängiger zu gestalten, massiv beschleunigt. Jedoch gab es bereits vor dem Krieg verschiedene nationale und europäische Initiativen, eine klimaneutrale und unabhängige Energieversorgung zu etablieren. Das sind beispielsweise die nationale Wasserstoffstrategie der Bundesregierung (06/2020), die Überarbeitung des Energiewirtschaftsgesetztes (EnWG, Sommer 2021) und der Entwurf einer EU-Methanverordnung (12/2021), welcher auf der EU-Methanstrategie (10/2020) basiert.

Forschungsvorhaben des DVGW (EvaNeMel)

Parallel zu diesen Initiativen führt auch der DVGW eigene Forschungsvorhaben zu verschiedenen Zwecken durch. Eines dieser Forschungsvorhaben dient der Evaluierung neuartiger Messmethoden zur Überprüfung von Leitungen in Gasnetzen (EvaNeMel) und wurde vor kurzem abgeschlossen. Vor dem Hintergrund der im EnWG verankerten Forderung, einen sicheren Netzbetrieb zu gewährleisten, stellt sich für viele Netzbetreiber die Frage, wie sie dieser Verantwortung in Zeiten des Fachkräftemangels gerecht werden sollen. Auf der einen Seite muss durch regelmäßige Überprüfungen der Gasleitungen das hohe Sicherheitsniveau eingehalten werden und durch die EU-Methanverordnung ergeben sich voraussichtlich sogar noch kürzere Überprüfungszeiträume. Auf der anderen Seite steht immer weniger geeignetes und fachkundiges Personal zur Verfügung.

Modifizierter E-Scooter

Innovative Technik und neue Ansätze sind erforderlich, um diese Situation gut zu meistern. Seit kurzem bieten wir mit einem speziell für die Rohrnetzüberprüfung modifiziertem E-Scooter eine wirtschaftliche Lösung für dieses Problem. Zusammen mit unserem hochempfindlichen Gasspür- und Gasmessgerät Laser HUNTER lässt sich in vielen Netzbereichen eine optimierte Rohrnetzüberprüfung durchführen.

Modifizierter E-Scooter für die Gaslecksuche

Überprüfung des Leitungsnetzes in doppelter Schrittgeschwindigkeit

Während bei der klassischen, sondenbasierten Begehung mit handgeführten Gasspürgeräten je nach tatsächlichen Gegebenheiten im städtischen, bebauten Gebiet täglich etwa eine Leitungsstrecke inkl. Hausanschlüssen von bis zu 10 km überprüft werden kann, ist mit unserem E-Scooter theoretisch die maximal doppelte Anzahl an Kilometern mit dem gleichen Personal an einem Tag überprüfbar. Möglich macht dies eine fest montierte Teppichsonde unter dem E-Scooter in Kombination mit kürzeren Reaktionszeiten des Laser HUNTER, wodurch eine Überprüfung des Leitungsnetzes in doppelter Schrittgeschwindigkeit erfolgen kann.

Verbesserung für die Anwender:innen

Gleichzeitig schont das System die Anwender:innen, da sie das Messgerät auf einer leicht zu montierenden Halterung am Lenker befestigen können und deutlich weniger laufen müssen. Um die volle Flexibilität während der Rohrnetzüberprüfung zu gewährleisten, lässt sich das Laser HUNTER bei Bedarf schnell demontieren. Unter Verwendung einer zusätzlich mitgeführten und ebenfalls demontierbaren Glockensonde können Bereiche, die mit dem E-Scooter nicht erreichbar sind, z. B. Netzanschlussleitungen, schnell und unkompliziert überprüft werden.

Gaslecksuche mit Glockensonde

Mit dem E-Scooter schließen wir die Lücke zwischen der klassischen, sondenbasierten Überprüfung mit handgeführten Gasspürgeräten und der noch relativ neuen, fahrzeuggestützten Überprüfung, die neben anderer Gerätetechnik im EvaNeMel Vorhaben untersucht wurde.

Alle technischen Details und Möglichkeiten für Ihren Arbeitsalltag erläutern wir auch in unserem neuen Anwendungsbeitrag, den Sie hier finden.