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DVGW W 400-2 Druckprüfung: Wassernetze rechtssicher und digital prüfen

Das Druckmessgerät smart memo: Ihre Komplettlösung für rechtssichere, vollautomatische Leitungsprüfungen

Erfahren Sie wie Sie die W 400-2 an Wasserleitungen meistern. Druckmessabläufe vollautomatisch durch alle normrelevanten Verfahren – vom Kontraktionsverfahren über das (beschleunigte) Normalverfahren bis hin zum einflussminimierten Verfahren. Lesen Sie praxisnahe Anwendungsberichte, erfahren Sie, wie Sie die verschärften Anforderungen erfüllen, und finden Sie die passenden Systemkomponenten für Ihre nächste Rohrnetzprüfung.

Herausforderungen bei den W 400-2 Prüfverfahren

Der schmale Grat zwischen Normkonformität, physikalischen Störfaktoren und Zeitdruck auf der Baustelle

Bei der praktischen Umsetzung von Druckprüfungen im Rohrleitungsbau treten täglich Variablen auf, die das Messergebnis verfälschen können. Dazu gehören unbemerkt eingeschlossene Luftblasen in der Leitung, das viskoelastische Dehnungsverhalten (Relaxation) von PE-Werkstoffen oder unvorhergesehene Temperatureinflüsse im Rohrgraben. Ein ungenauer Drucksensor oder ein rein manuelles Ablesen führt im schlimmsten Fall dazu, dass eine stundenlange Prüfung als „nicht bestanden“ gewertet werden muss, obwohl die Leitung vollkommen dicht ist, oder umgekehrt, dass Kleinstleckagen übersehen werden.

W 400-2 Anwendungen und Praxisberichte

Mit unseren Anwendungsberichten geben wir einen praktischen Einblick in den Berufsalltag von Netzbetreibern, Versorgern und Dienstleistern rund um die Inbetriebnahme und Instandhaltung von sicheren Trinkwassernetzen.

Prüfungen nach W 400-2 Wasserdruckprüfungen nach DVGW W 400-2 sicher und nachvollziehbar durchführen

Druckpruefung-smart-memo

Wasserleitungen im Bereich der Trinkwasserversorgung müssen in Deutschland vor der Inbetriebnahme einer Druckprüfung unterzogen werden, um die sachgemäße Ausführung der Baumaßnahmen und die Dichtheit des Leitungssystems nachzuweisen. Anforderungen zu den Verfahren und Richtlinien zur Durchführung werden im Arbeitsblatt W 400-2 des DVGW gesetzt

Welche Herausforderungen und welche Chancen bringt die Umsetzung der W 400-2 mit sich?

Das praktische Vorgehen in zwei Schritten erklärt

Im Folgenden gehen wir darauf ein, welche Phasen die Wasserdruckprüfung nach DVGW W 400-2 umfasst.

Schritt 1: Hauptprüfung – Dichtheit der Wasserleitung sicher bewerten

Die Hauptprüfung bildet die abschließende Phase eines Verfahrens und wird als finale Bewertung der Dichtheit herangezogen. Über die Dauer der Hauptprüfung wird der Druckabfall in der Leitung ermittelt und mit einem zulässigen Druckabfall verglichen. Die Vorgaben zu Prüfdauer und zulässigem Druckabfall unterscheiden sich deutlich in den einzelnen Verfahren und in Abhängigkeit der zu prüfenden Rohrleitung. Zur Messung des Druckverlaufs ist ein Drucksensor mit regelkonformem Messbereich und einer ausreichenden Genauigkeit erforderlich.

Schritt 2: Druckabfallprüfung und Vorprüfung – Restluft erkennen und Prüfbedingungen schaffen

Die Druckabfallprüfung wird in jedem Verfahren im Anschluss an die Vorprüfung und vor der Hauptprüfung durchgeführt. Sie soll der Überprüfung der Luftfreiheit des Rohrleitungssystem dienen. Eine zu hohe Menge an Restluft in einer Rohrleitung während einer Wasserdruckprüfung beeinflusst das Ergebnis der Hauptprüfung maßgeblich.
Im aktuellen Regelwerk W 400-2 gibt es strenge Vorgaben an die Durchführung und Bewertung der Druckabfallprüfung. Die abgelassene Wassermenge muss mit einem digitalen Messgerät ermittelt werden und der Messwert muss an das verwendete Druckprüfgerät übertragen werden. Die Vorprüfung weist die größten Unterscheidungen zwischen den einzelnen Verfahren auf, da sie je nach Rohrleitungsmaterial unterschiedliche Zustände herbeiführen soll. Während der Vorprüfung des Kontraktionsverfahren dehnen sich Kunststoff-Leitungen unter Prüfdruck aus.

In der Vorprüfung des Beschleunigten Normalverfahrens soll eine Zementmörtelauskleidung (ZMA) einer Stahl-/Gussleitung unter Prüfdruck teilweise mit Wasser gesättigt werden, während die ZMA im Normalverfahren vollständig gesättigt werden muss. Die Verfahren sind also komplex und beinhalten zahlreiche unterschiedliche Details, die abhängig von der Art des Verfahrens, des Rohrleitungsmaterials und der Nennweite sind.

Zur Durchführung der Verfahren sollte regelwerkskonforme und hochwertige Messtechnik verwendet werden. Im Folgenden werden die für die Durchführung notwendigen Komponenten aufgeführt. Mit dieser Gerätetechnik lassen sich alle Verfahren gemäß W 400-2 durchführen.

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Technik für Wasserdruckprüfungen nach W 400-2 im Überblick

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Externer Drucksensor EDS2-P 25 bar 0,1%

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EDS2-V Durchflussmesser 1-42l/min 5%

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Weitere Lösungen sowie Zubehör gibt es in unserem Shop

Technik für Wasserdruckprüfungen nach W 400-2 im Überblick

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Option LTE-GPS smart memo

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Option DVGW W 400-2

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Option Durchflussmessung MPP 30-30/MPP 70-35

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Wir erklären das Prüfungsverfahren gemäß W 400-2

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Die Druckprüfung im Kontraktionsverfahren dient dazu, die Dichtheit neu verlegter oder erneuerter Trinkwasserleitungen zuverlässig zu beurteilen. Das Verfahren berücksichtigt das druckabhängige Verhalten der Rohrleitung und ermöglicht eine normgerechte Bewertung nach DVGW-Arbeitsblatt W 400-2. Eine sorgfältige Durchführung und nachvollziehbare Dokumentation sind dabei entscheidend, um die Qualität und Betriebssicherheit des Trinkwassersystems sicherzustellen.

Was gilt es beim Kontraktionsverfahren zu beachten?

Das Kontraktionsverfahren stellt hohe Anforderungen an die Vorbereitung und den korrekten Ablauf der Druckprüfung. Insbesondere muss die Rohrleitung ausreichend luftfrei sein, da eingeschlossene Luft das Messergebnis verfälschen und mögliche Leckagen überdecken kann. Gleichzeitig sind die einzelnen Prüfphasen, Druckänderungen und Grenzwerte genau einzuhalten. Auch äußere Bedingungen sowie das individuelle Verhalten der Kunststoffleitung können den Druckverlauf beeinflussen und erschweren eine eindeutige Bewertung ohne geeignete Messtechnik und fachkundige Anwender.

Deshalb eignet sich das Kontraktionsverfahren ideal zur Überprüfung von Trinkwassernetzen

Das Kontraktionsverfahren ermöglicht eine zuverlässige und nachvollziehbare Bewertung der Dichtheit von Trinkwasserleitungen. Aufgrund des definierten Prüfablaufs lassen sich mögliche Leckagen frühzeitig erkennen, die Qualität der verlegten Leitung absichern und die Prüfergebnisse normgerecht dokumentieren.

So setzen Sie das Kontraktionsverfahren Schritt für Schritt um

Wir zeigen praxisnah auf, wie sich die Methodik trotz Herausforderungen einfach mit unseren Technologien umsetzen lässt.

Schritt 1: W 400-2 Kontraktionsverfahren vorbereiten – Rohrdaten und Prüfparameter eingeben

Geben Sie über die Eingabemaske die Rohrdaten und den gewünschten Prüfdruck ein. Setzen Sie den Auswahl-Parameter „MPP ferngesteuert“ auf „Ja“, damit die MPP in den Druckaufbau- und Druckhaltungsphasen des Prüfablaufs vom smart memo gesteuert wird.
Nach Setzen des Nullpunktes des Drucksensors (Nullpunkt ebenfalls im Hauptmenü der MPP setzen) wechseln Sie über Betätigen von F2 in die Entspannungsphase.

In der Entspannungsphase haben Sie die Möglichkeit über die F1-Taste das automatische Ablassventil per Tastendruck zu öffnen bzw. zu schließen. Somit können Sie auch nachträglich die EDS2 Ablassautomatik und den angeschlossenen EDS2-V Durchflussmesser entlüften. Zudem haben Sie die Möglichkeit bei Rohrleitungen ohne Gefälle über ein geöffnetes Ablassventil einen drucklosen Zustand herzustellen. Zum Ende der Entspannungsphase schließt das Ventil in jedem Fall automatisch.
Falls die MPP noch nicht mit dem smart memo verbunden oder noch nicht einsatzbereit ist, erfolgt zum Ende der Entspannungsphase eine Aufforderung, die Verbindung nachträglich herzustellen.

In der aktuellen Umsetzung (03/2023) der Automatik erscheint zu Beginn der Entspannungsphase eine Abfrage, ob der Druckaufbau nach Ablauf der Entspannungsphase automatisch gestartet werden soll.

Falls Sie diese Abfrage mit „Ja“ bestätigen, wechselt das smart memo nach Ablauf der 1-stündigen Entspannungsphase automatisch in die nächste Phase. Sollte die MPP bereits über das Anschlusskabel mit dem smart memo verbunden sein, wird automatisch in die Druckaufbauphase gewechselt und der Druckaufbau wird gestartet. Nach Bestätigung der Abfrage mit „Ja“ läuft die komplette Prüfung also ohne weiteren Anwender-Eingriff automatisch durch.

Die Entspannungsphase muss mit einem Knopfdruck auf „Weiter“ beendet werden. Nun wird die MPP initialisiert. Falls die Verbindung zwischen MPP und smart memo über das Anschlusskabel noch nicht besteht, erscheint eine entsprechende Meldung. Sobald die MPP initialisiert ist, erscheint eine Abfrage, ob der Druckaufbau gestartet werden soll. Nach Bestätigung mit OK (F2), wechselt das smart memo in die Druckaufbauphase und die MPP nimmt automatisch ihren Betrieb auf. Der Druckaufbau wird über die Drehzahlregelung der MPP ohne Überschwingen umgesetzt. Sobald der voreingestellte Prüfdruck erreicht ist, schaltet das smart memo automatisch in die Druckhaltephase.

Im Anschluss (zu Beginn der Druckhaltephase) erfolgt eine Meldung unserer Luftmengenbestimmung, mit dessen Hilfe ermittelt wurde, ob sich zu viel Restluft in der Leitung befindet. Weitere Informationen zur Luftmengenbestimmung haben wir bereits hier auf dieser Artikelseite und hier im Blogbeitrag „Überprüfung der Luftfreiheit bei Druckprüfungen“ für Sie zusammengestellt.

Das smart memo steuert weiterhin die MPP und sorgt für eine konstante Druckhaltung bei voreingestelltem Prüfdruck über die Dauer dieser Phase. Nach Ablauf der 30-minütigen Phase schaltet das smart memo automatisch in die Ruhephase.

Mit dem Wechsel in die Ruhephase wird die Druckregelung der MPP durch das smart memo automatisch beendet. Die MPP wird in das Hauptmenü zurückgesetzt und kann nach Entfernen der Kabelverbindung zum smart memo und nach Schließen des Kugelhahns am Prüfkörper HANS (bitte nicht den falschen Kugelhahn schließen) bereits wieder außer Betrieb genommen, entleert und verstaut werden.

Das smart memo kontrolliert den Druckabfall in der Ruhephase. Falls dieser mehr als 20 % beträgt, wird die Prüfung automatisch beendet, weil dann in der Regel eine Undichtigkeit der Leitung vorliegt.

Nach Abschluss der einstündigen Ruhephase schaltet das smart memo automatisch in die Druckabfallprüfung.

Nun beginnt die EDS2 Ablassautomatik automatisch die Druckabsenkung durchzuführen. Das Ventil öffnet schrittweise und reguliert die Druckabsenkung derart, dass der vorgegebene Zieldruck bestmöglich erreicht wird. Gleichzeitig wird die Ablassmenge vom angeschlossenen EDS2-V gemessen und digital an das smart memo übertragen.Bei Erreichen des Zieldrucks wird das Ventil der EDS2 Ablassautomatik vollständig geschlossen.

Das smart memo schaltet automatisch in die Phase der Hauptprüfung um, sobald ein Druckanstieg in Folge der Kontraktion der Prüfleitung erkannt wird.

Eine Überprüfung der Ablassmenge und des erzeugten Druckabfalls gemäß den Vorgaben des aktuellen Arbeitsblattes W 400-2 erfolgt im Hintergrund. Sofern die Überprüfung negativ ausfällt, erscheint zu Beginn der Hauptprüfung eine entsprechende Meldung, ansonsten läuft die Prüfung ohne Meldung weiter.

Das smart memo registriert den Druckanstieg in Folge der Kontraktion und gibt nach Beendigung der 30-minütigen Hauptprüfung eine Bewertung gemäß dem Regelwerk ab.

Falls der Druckverlauf im erlaubten Bereich liegt, fällt die Bewertung positiv aus.

Falls in der Hauptprüfung ein zu großer Druckabfall eintritt, schaltet das smart memo automatisch in die Verlängerung der Hauptprüfung.

Das smart memo registriert den Druckverlauf in dieser Phase und gibt nach Beendigung der 60-minütigen Verlängerung eine Bewertung gemäß dem Regelwerk ab.

Zum Ende der Phase schaltet das smart memo automatisch auf die Ergebnisseite um oder optional in die Phase Druckabbau (falls vorher eingestellt, siehe unten).

Die Druckabbauphase kann optional in den Einstellungen des Menüpunktes aktiviert werden. Falls die Phase aktiviert ist, erzeugt die EDS2 Ablassautomatik automatisch eine Druckabsenkung zur Entspannung der Leitung und Beendigung der Prüfung.

Somit wird die Prüfleitung nach Ablauf der vollautomatischen Druckprüfung nicht unnötig lange durch den Prüfdruck belastet.

Hier können Sie sich ein Prüfprotokoll einer vollautomatischen Druckprüfung W 400-2 zur Ansicht herunterladen.

Prüfbericht-W-400-Kontraktionsverfahren-automatisiert
Pressure test trailer

Unsere passenden Gerätelösungen im Überblick

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smart memo

222610

Option LTE-GPS smart memo

W 400-2

Option DVGW W 400-2

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Feature Subscription smart memo

Absolutdrucksensor

Externer Drucksensor EDS2-P 25 bar 0,1%

EDS2_V4

EDS2-V Durchflussmesser 1-42l/min 5%

EDS2-T-Anlegefuehler

Temperatursensor Anlegefühler EDS2-T 0,1K

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EDS2 Ablassautomatik

Pruefkoerper-HANS zur Durchführung von Wasserdruckprüfungen nach W 400-2 (Stand 08/2022) mit dem smart memo

Prüfkörper HANS

Prüfstandrohr Hydrant VA, Fuß DN80

Prüfstandrohr Hydrant VA, Fuß DN 80

Wenn das Desinfektionsmittel im Beschleunigten Normalverfahren zum Problem wird

In unserer täglichen Arbeit bei Esders unterstützen wir unsere Kunden regelmäßig bei der Auswertung und Interpretation von Druckprüfungen. Kürzlich trat ein Vertriebsmitarbeiter eines Kunden mit einer Druckprüfung nach dem Beschleunigten Normalverfahren (BNV) an uns heran, bei der er sich das Ergebnis absolut nicht erklären konnte.

Tatsächlich war das Verhalten, das wir in den Messdaten sahen, auf den ersten Blick auch für uns neu und verblüffend. Nach intensiver Ursachenforschung konnten wir das Rätsel jedoch lösen. Da es sich hierbei nicht um einen klassischen Anwenderfehler handelt, sondern um eine unglückliche Kombination von Umständen, möchten wir unsere Erkenntnisse in diesem Beitrag mit Ihnen teilen, um ähnliche Fälle in Zukunft zu vermeiden.

Die Ausgangslage: Eine BNV-Prüfung mit unerwartetem Verlauf

Der Kunde führte eine Druckprüfung an einem Stahlrohr mit Zementmörtelauskleidung (ZMA) nach dem Beschleunigten Normalverfahren (BNV) durch. Für das Befüllen der Leitung nutzte er Wasser, das mit dem zugelassenen Desinfektionsmittel Sanosil versetzt war (Sanosil wurde dabei ordnungsgemäß über einen Esders EDK20 eingespeist)..

Die Besonderheit beim Verlauf der Druckprüfung: Während der Ruhephase fiel in den Messdaten ein starker und kontinuierlicher Druckanstieg in der Leitung auf. Im Beschleunigten Normalverfahren findet während der Ruhephase normalerweise kein vorgesehener Druckanstieg statt. Die Prüfpumpe ist in dieser Phase ausgeschaltet und die Leitung ruht. Üblicherweise sollte der Druck in dieser Phase aufgrund des typischen Sättigungsverhaltens der ZMA stetig abfallen. Stattdessen schoss der Druck in die Höhe. Wie war das möglich?

Die Ursachenforschung: Chemie in der geschlossenen Rohrleitung

Das verwendete Desinfektionsmittel Sanosil ist ein gängiges und zugelassenes Produkt, das auf dem Wirkstoff Wasserstoffperoxid (H2O2) basiert. Hier liegt der Schlüssel zum Verständnis des Phänomens: In der Leitung kam es zu einem Zersetzungsprozess. Wasserstoffperoxid zersetzt sich im Laufe der Zeit in Wasser (H2O) und gasförmigen Sauerstoff (O2).

Wenn in einer vollständig mit Wasser gefüllten und abgeschlossenen Rohrleitung plötzlich Gas entsteht, führt dies unweigerlich zu einem Druckanstieg. Doch warum passierte das in diesem Fall so rasant und extrem?

Der Zersetzungsprozess von H2O2 wurde in der Rohrleitung durch verschiedene Faktoren massiv beschleunigt. Hoher Druck, wie er bei der Druckprüfung herrscht, begünstigt die Zersetzung. Zudem können starke Verunreinigungen, metallische Oberflächen, Rost und hohe Temperaturen als sogenannte Katalysatoren wirken, die den chemischen Prozess stark antreiben.

Der Hauptkatalysator: Wie wirkt sich die Zementmörtelauskleidung (ZMA) aus?

Der entscheidende Faktor in diesem speziellen Fall war jedoch das Rohrleitungsmaterial selbst: die ZMA.

Wasserstoffperoxid ist in einem sauren Milieu (bei einem pH-Wert < 5) stabil. Bei höheren pH-Werten verringert sich diese Stabilität jedoch drastisch. Ab einem pH-Wert > 5 wird die Zersetzung bereits stark beschleunigt (je höher der pH-Wert, desto rapider die Zersetzung).

Die Zementmörtelauskleidung erzeugt in der Leitung eine extrem alkalische Umgebung mit einem pH-Wert von über 10. Die ZMA wirkte hier also als gewaltiger Katalysator.

Hinzu kommt ein mechanischer Aspekt: Die ZMA ist porös und bildet eine riesige (innere) Oberfläche. Je mehr Oberfläche dem H2O2-versetzten Wasser zur Verfügung steht, desto mehr Zersetzungsreaktionen können gleichzeitig stattfinden. Durch die langsam fortschreitende Sättigung dringen die Wassermoleküle immer tiefer in die kleinen Poren der ZMA ein. Die reaktive Oberfläche vergrößert sich also mit der Dauer der Sättigung immer weiter, was zu weiteren, zunehmenden Zersetzungsprozessen führt. Das Resultat ist der beobachtete, scheinbar unaufhaltsame Druckanstieg.

Ist es eine schlaue Idee, eine Druckprüfung mit H2O2-versetztem Wasser durchzuführen?

Nachdem die Ursache klar war, stellte sich die Frage: Hat der Kunde etwas falsch gemacht? Die klare Antwort lautet: Nein.

Gemäß dem DVGW Arbeitsblatt W 400-2 (Abschnitt 7.4) ist dieses Vorgehen nicht nur erlaubt, sondern wird sogar explizit erwähnt:

„Die Rohrleitung muss mit Trinkwasser gefüllt und ggf. gespült werden, erforderlichenfalls mit Desinfektionsmittel versehen (siehe auch DVGW W 291 (A)).“

Die Norm schränkt die Art des Desinfektionsmittels hierbei nicht sofort ersichtlich in Bezug auf das Rohrmaterial ein.

Disinfection Dosing Case EDK 20

Unsere Antwort und Handlungsempfehlung

Nach der oben beschriebenen Analyse und Ursachenforschung des Druckverlaufs sind uns zahlreiche, weitere Druckprüfungen an Stahl-/Gussrohren mit ZMA aufgefallen, welche einen Druckanstieg innerhalb der Ruhephase der Verfahrens aufweisen, z.B. wie in dieser Druckprüfung:

Es handelt sich bei diesem „Phänomen“ also nicht um einen Einzelfall, sondern tritt häufiger auf, auch weil die Verwendung von Desinfektionsmittel bereits in der Druckprüfung immer mehr zur gängigen Praxis wird. 

Basierend auf unseren Erkenntnissen aus diesem Fall geben wir folgende differenzierte Empfehlungen für die Verwendung von Desinfektionsmittel bei einer Druckprüfung: 

  • PE-Leitungen: Bei PE ist eine Druckprüfung mit H2O2-versetztem Wasser vermutlich vertretbar, da in PE-Rohren keine starken Katalysatoren für die H2O2-Zersetzung vorliegen.
  • Metallische Leitungen und Leitungen mit ZMA: Hier sollte eine Druckprüfung auf keinen Fall mit H2O2-versetztem Wasser durchgeführt werden.

Falls für die Durchführung der Druckprüfung eine Versetzung des Trinkwassers mit Desinfektionsmittel zwingend erforderlich sein sollte, empfehlen wir bei metallischen Leitungen mit ZMA dringend den Rückgriff auf ein Desinfektionsmittel, welches nicht mit der stark alkalischen ZMA reagiert (z. B. auf Basis von Natriumhypochlorit NaOCl oder Chlordioxid ClO2).

Fazit

Druckprüfungen sind komplexe Verfahren, bei denen physikalische, materialeigene und – wie wir in diesem Fall gesehen haben – auch chemische Eigenschaften interagieren. Wenn Sie bei Ihren Prüfungen auf unerklärliche Phänomene oder abweichende Messwerte stoßen, zögern Sie nicht, uns zu kontaktieren. Unsere Experten helfen Ihnen gerne dabei, die Ursachen zu finden und Ihre Leitungen sicher und regelwerkskonform zu prüfen.

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Vollautomatische Prüfpumpe zur Durchführung von Wasserdruckprüfungen, z.B. nach DVGW W 400-2, ÖVGW W 101, EN 805 - Ausgangsdruck max. 35 bar - Liefermenge 70 Liter/min. - Spannung 400 Volt - 50 Hz - Leistungsbedarf 5,5 kW - Prüfdruck in 0,1 bar Schritten einstellbar - Frequenzumrichter und Drehzahlregelung für angepassten Druckaufbau und Druckhaltung ohne Druckstöße - frei einstellbare, konstante Drehzahl über "Manuellen Betrieb" - Rückschlagventil zur Verriegelung der Druckleitung - Storzanschluss und Schnellkupplungen für Wasserzufuhr und Wasserablass - optional mit Durchflussmessung (notwendig für Luftmengenbestimmung in smart memo) - optional mit Desinfektionsroutine MPP - optional mit Radsatz Geeignet für den Druckaufbau bei großen Rohrleitungsvolumen. Bei kleinen Leitungsvolumen mit V < 1m^3 ist die MPP 70-35 nur eingeschränkt geeignet, da es zu einem "Überfahren" des Prüfdrucks kommen kann.
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