Die Transformation der Energie- und Gasnetze ist in vollem Gange. Mit der zunehmenden Einspeisung von Wasserstoff (H2) in die bestehende Gasinfrastruktur und dem Bau reiner Wasserstoffleitungen stehen Netzbetreiber und Dienstleister vor neuen Herausforderungen. Besonders bei Inbetriebnahmen, Außerbetriebnahmen oder Spülvorgängen von Rohrleitungen stellt sich eine zentrale Frage: Wie gehen wir mit dem Wasserstoff um, der aus den Leitungen verdrängt oder entspannt werden muss?
Kontrolliertes Abfackeln statt Restgase abzulassen
Einfach ablassen (Venten) ist keine Option. Das hat zwei entscheidende Gründe:
- Sicherheit (Explosionsgefahr): Wasserstoff hat einen extrem weiten Zündbereich und gehört zur höchsten Explosionsgruppe (IIC). Ein unkontrolliertes Ausblasen birgt Sicherheitsrisiken.
- Klimaschutz (GWP): Wasserstoff ist zwar kein direktes Treibhausgas wie Methan oder CO₂, besitzt jedoch ein signifikantes indirektes Treibhauspotenzial (Global Warming Potential, GWP). In der Atmosphäre verlängert H₂ die Lebensdauer von Methan und beeinflusst die Ozonbildung. Ein unkontrollierter Austritt in die Atmosphäre muss daher zwingend minimiert werden.
Die Lösung ist das kontrollierte Abfackeln des Gases.
Der regulatorische und sicherheitstechnische Rahmen
Das DVGW-Merkblatt G 404 liefert die Grundlage für das Abfackeln von Gasen. Mobile Gasfackeln werden hier als wirksames Werkzeug zur Reduzierung von Gasemissionen beschrieben.
Die physikalischen Eigenschaften von Wasserstoff erfordern jedoch spezielles Equipment. H2 hat eine sehr geringe Dichte, diffundiert extrem schnell und brennt mit einer fast unsichtbaren Flamme ab. Am wichtigsten ist jedoch die Einordnung in die Explosionsgruppe IIC. Die eingesetzte Gerätetechnik, ausgehend von der Messung bis zur Verbrennung, muss diesen höchsten Sicherheitsanforderungen entsprechen, um beispielsweise einen Flammenrückschlag in die Leitung unter allen Umständen zu verhindern.
Das Duo für den Wasserstoffeinsatz: OLLI H2 & Mobile Gasfackeln
Um diese Vorgänge sicher, emissionsarm und dokumentierbar zu gestalten, bilden das Olli H2 und die Mobilen Gasfackeln ein perfekt aufeinander abgestimmtes System.
1. Mobile Gasfackeln
Unsere Mobilen Gasfackeln sind für das Abfackeln von Erdgas, Propan und Wasserstoff konzipiert.
- Mobile Gasfackel S: Konzipiert für die Anforderungen bei Hausanschlüssen und Netzanschlussleitungen. Mit einem Eigengewicht von lediglich 2.850 g ist sie besonders handlich, innerhalb kürzester Zeit betriebsbereit und erzielt Durchflussraten von bis zu 8 Nm³/h (basierend auf Methan bei 1 bar).
- Mobile Gasfackel M: Ideal für den Nieder- und Mitteldruckbereich im Verteilleitungsnetz. Kompakt, schnell aufgebaut und mit einem Durchsatz von bis zu 40 Nm³/h (bezogen auf Methan bei 1 bar) äußerst effizient.
- Mobile Gasfackel L: Für das Mittel- und Hochdrucknetz. Sie bewältigt deutlich größere Volumina (ca. 800 Nm³/h bei > 2 bar) und wird trotz ihrer Höhe von 2,5 Metern werkzeuglos in wenigen Minuten aus zwei Teilen zusammengesetzt.
2. Das Gasmessgerät OLLI H2
Das OLLI H2 ist unser explosionsgeschütztes, kompaktes Multifunktionsgerät für die Wasserstoffmessung (0 bis 100 Vol.%). Es ist nach ATEX für die Gerätegruppe IIC zertifiziert. Ausgestattet mit einer leistungsstarken Pumpe ist es das ideale Instrument, um den Abfackelvorgang zu überwachen. Die entscheidende Zusatzoption ist hierbei die integrierte V-Messung (Volumenmessung).
3. Explosionsgruppe IIC
Alle drei Fackel-Modelle verfügen über eine integrierte Flammenrückschlagsperre, die für Gase der Explosionsgruppen IIA, IIA1, IIB und insbesondere IIC zugelassen ist. Eine integrierte Dauerzündung sorgt bei allen Modellen für eine stabile Verbrennung mit einem Wirkungsgrad von ca. 99 % unter Idealbedingungen.
Die Praxisanwendung
In der Praxis steht am Anfang einer Abfackel-Maßnahme meist ein akuter Reparaturbedarf. Eine Leitung weist durch Alterung und Verschleiß, Korrosion oder eine Leckage auf. Das Erdreich wird geöffnet, das beschädigte Rohrstück freigelegt und der betroffene Rohrabschnitt vom restlichen Netz abgetrennt. Dann beginnt der eigentliche Prozess der Außerbetriebnahme:
Schritt 1: Arbeitsbereich absichern und Fackel anschließen
Arbeitsbereich abgesichert. Hierbei kommt das OLLI H2 im Menüpunkt „Überwachung Arbeitsraum“ zum Einsatz, um die Umgebungsluft auf eventuell austretenden Wasserstoff zu prüfen. Ist der Bereich freigegeben, wird die Mobile Gasfackel, je nach anstehendem Leitungsdruck und Gasvolumen, eine variante der mobilen Gasfackel ausgewählt und an den Entspannungspunkt der Rohrleitung angeschlossen.
Schritt 2: OLLI H2 konfigurieren und die V-Messung starten
Im Hauptmenü des OLLI H2 wird nun der Menüpunkt „V-Messung“ gestartet. Der Anwender wählt die Gasart „Wasserstoff“ und die verwendete Fackel aus. Anschließend wird der Rohrinnendurchmesser eingegeben. Dieser Wert bildet die Grundlage für die spätere Berechnung der Fließgeschwindigkeit.
Schritt 3: Messaufbau am Druckminderer herstellen
Nun, nachdem die Sensoreinlaufphase beendet ist, wird das OLLI H2 über den speziellen Verbindungsschlauch für die V-Messung an den Druckminderer der Abblaseinrichtung angeschlossen. Die Fähnchen des Verbindungsschauches helfen für eine korrekte Montage. Der Verbindungsschlauch verfügt über einen Druck- und Gasweg für das Messgerät, sodass das OLLI die Gaskonzentration und den Volumenstrom abgreifen kann.
Schritt 4: Zündung und kontrolliertes Abfackeln
Die Dauerzündung der mobilen Gasfackel wird aktiviert. Nun wird das Ventil geöffnet und der Wasserstoff wird kontrolliert in die Fackel geleitet und dort sicher verbrannt. Die integrierte IIC-Flammenrückschlagsperre garantiert dabei zu jedem Zeitpunkt, dass die Flamme nicht in die Rohrleitung zurückschlagen kann. Während des gesamten Abfackelvorgangs behält der Anwender über das OLLI-H2-Display alle entscheidenden Parameter im Blick. Das Gerät erfasst und protokolliert kontinuierlich:
- Die aktuelle Gaskonzentration
- Das gesamte abgefackelte Gasvolumen
- Die Fließgeschwindigkeit im Rohr
- Den anstehenden Druck hinter dem Druckminderer
- Die bisherige Abfackeldauer
Schritt 5: Abschluss und digitale Dokumentation
Der Entspannungsvorgang ist sicher beendet, sobald die Werte für Gaskonzentration, Druck und Fließgeschwindigkeit auf „0“ gefallen sind. Die Messung am OLLI H2 wird nun gestoppt. Zum Abschluss kann die vollständige Aufzeichnung des Vorgangs schnell und einfach über die Esders Connect App in die Esders Cloud gesendet werden. Die lückenlose, rechtssichere Dokumentation der Emissionsvermeidung ist damit direkt von der Baustelle aus erledigt.
Digitale und rechtssichere Dokumentation
Neben der Sicherheit rückt die Dokumentationspflicht immer stärker in den Fokus. Hier zeigt das OLLI H2 seine digitale Stärke: Alle gemessenen Volumina und Prüfdaten werden papierlos via Esders Connect verwaltet.
Die Messergebnisse werden direkt von der Baustelle per App ans Büro übermittelt. Prüfprotokolle (inklusive der abgefackelten Wasserstoffmenge) werden automatisch erstellt und in der Cloud gespeichert. Dies spart nicht nur Zeit auf der Baustelle, sondern liefert sofort belastbare Daten für die Berichterstattung. In Esders Connect können alle Details des Vorgangs, inklusive Standort und MDE-Daten direkt und jederzeit eingesehen und lokal abgespeichert werden.
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